Zur thermographischen Untersuchung der Passivhaussiedlung Hannover Krons-berg
am 15.02.2001 sind als wichtigste Ergebnisse festzuhalten:
· Durch zeitgleiche Messung repräsentativer Oberflächentempe-raturen
gelang sowohl für die Außen- als auch für die Innenseite eine
quantitative Auswertung.
· Der überwiegende Teil der Regelflächen (Fenster, Außenwände,
Dächer) zeigt in der Thermographie qualitativ und quantitativ etwa die
aus der Theorie erwarteten Oberflächentemperaturen. Damit bestätigt
die Thermographie die außerordentlich hohe Qualität der Wärmedämmung
der Außenbauteile bei der Passiv-haus-siedlung.
· Die Außenoberflächentemperaturen lagen bis auf Teile der
Haustür- und Fensterrahmen und den Randbereichen der Scheiben (sowie vereinzelte
konvek-tive Wärmebrücken) unter der Außenlufttemperatur. Damit
bestätigt sich noch einmal der große Einfluss der langwelligen Abstrahlung
in den kalten Nachthimmel (dessen Äquivalenttemperatur während der
Aufnahmen zu -13,5 °C bestimmt wurde; zum Vergleich: die Außenlufttemperatur
lag bei -1,5 bis -3,7 °C).
· Besondere Vorsicht ist bei der Interpretation von Thermographiebildern
von direkt reflektierenden Oberflächen geboten: Bei den hier untersuchten
Gebäuden sind dies z.B. die metallischen Regenfallleitungen sowie Verglasungsoberflächen.
Durch einen bedeutenden Teil von Reflexionsstrahlung darf das Thermographie-bild
hier nicht als Oberflächentemperatur des betreffenden Bauteils interpretiert
werden. Ein besonders schönes Beispiel bieten die IR-Außenaufnahmen
der Fenster im Obergeschoss (vgl. Abbildung). Die Verglasung ist hier im Zentralbereich
betaut (* * 0,95, kaum Reflexion und diese auch nur diffus: daher gibt das Thermographiebild
hier tatsächlich etwa die Oberflächentemperatur wieder). Zum Rand
hin steigen die Oberflächentemperaturen wegen der Wärmebrücken
im Randverbund an - daher ist die Verglasung dort nicht betaut. Wegen der direkten
Reflexion des kalten Nachthimmels erscheint dieser Bereich im Thermographie-bild
jedoch in Form eines hellen „umgedrehten U„.
· Auch die Häuser der Passivhaussiedlung Hannover-Kronsberg sind
nicht frei von in der Thermographie erkennbaren Schwachstellen. Soweit derzeit
beurteilbar, sind die gefundenen Bereiche (vor allem mit konvektiven Wärmebrücken)
aber weder kritisch für die Substanz noch von entscheidendem Einfluss auf
die Heizwärmebilanz.
· Geringfügige Schwachstellen sind indirekt durch die oberhalb der
hinterlüfteten Fassaden austretenden Warmluftströme zu vermuten. Andererseits
wird die hohe Qualität der Außenfassaden durch die Oberflächentemperatur
im Bereich des Wärmedämmverbundsystems (Südseite EG) und der
hinterlüfteten Fassade (Südseite OG) deutlich: Bei diesen beiden Flächen
war kein Temperaturunter-schied messbar!
· Die Innenthermographie eines der unbewohnten aber beheizten Häuser
ergab durchgehend hohe Oberflächentemperaturen aller Wandflächen.
Die hohen Oberflächentemperaturen demonstrieren den Erfolg der hohen Dämmqualität
und zeigen, dass im ganzen Gebäude keine Tauwasserprobleme zu erwarten
sind. Vereinzelt lagen die Oberflächentemperaturen an Bereichen von konstruktiven
Wärmebrücken (zwei Zimmerecken im OG) unter den erwarteten Werten.
Auch an diesen Stellen ist keine Tauwassergefahr vorhanden. Diese Bereiche führen
jedoch zu einer minimalen Erhöhung der Heizenergieverbräuche. Von
Mängeln kann hier bei minimalen Oberflächentemperaturen von 16,9 °C
jedoch in keinem Fall gesprochen werden.
· Bei den Haustüren waren bereits während der Messung ohne
Unterdruck im Haus (Blower Door Einsatz) auffällige Undichtheiten im unteren
Bereich erkenn-bar. Auch bei der Außenthermographie zeigten sich bereits
an zwei anderen Haustüren diesbezügliche Schwachstellen. Diese führen
zu höheren Energie-verlusten als vorab projektiert. Alle Haustüren
wurden im März 2001 (nach der IR-Unter-suchung) in den Bandbereichen verstärkt
und neu eingestellt. Dadurch ist anzu-nehmen, daß sich diese Schwachstellen
verbessert haben.
· Bei der Untersuchung des Gebäudes bei Unterdruckbedingungen (Blower
Door Einsatz in der Terrassentür) wurde nur in 5 Fällen eine nennenswerte
Abweichung von den Vergleichsbildern ohne Unterdruck festgestellt. Aufgrund
der hohen Luft-dichtheit des Hauses waren diese Bereiche selbst bei diesem „künstlichen„
Gebäudezustand völlig unkritisch.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse der thermographischen Untersuchung
der Passivhaussiedlung Hannover-Kronsberg durchgehend die hohe Qualität
der Dämmung der gesamten Gebäudehülle.
| 1 | THERMOGRAPHISCHE UNTERSUCHUNG |
| 1.1 | Messgeräte |
| 2 | INFRAROTTHERMOGRAPHIE |
| 3 | AUSWERTUNG |
| 3.1 | Außenthermographie |
| 3.1.1 | Regelfall |
| 3.1.2 | Festgestellte Schwachstellen |
| 3.1.3 | Geöffnete Fenster |
| 3.2 | Innenthermographie |
| 3.2.1 | Innenthermographie ohne Blower Door |
| 3.2.2 | Innenthermographie mit Blower Door |
| 4 | ZUSAMMENFASSUNG |
| 5 | LITERATURVERZEICHNIS |
| 6 | ANHANG: THERMOGRAPHIE-BILDER |